Maschinenstundensatz berechnen: So kalkuliert ihr richtig

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Veröffentlicht am
10. Mai 2024
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Wer Aufträge annimmt, ohne seinen Maschinenstundensatz korrekt zu kennen, kalkuliert im Blindflug. Vielleicht gewinnt ihr den Auftrag, aber ob ihr dabei auch Geld verdient, ist eine ganz andere Frage, die von der Kostenstruktur abhängt. Der Maschinenstundensatz ist einer der grundlegendsten Werte in der Fertigungskalkulation, und trotzdem wird er in vielen Betrieben entweder gar nicht berechnet oder mit veralteten Zahlen aus der Schublade gezogen.

Das ändern wir hier.

Was ist der Maschinenstundensatz überhaupt?

Der Maschinenstundensatz gibt an, was euch eine Maschine pro Stunde tatsächlich kostet, wenn ihr alle anfallenden Kosten zusammenrechnet: Abschreibung, Raumkosten, Energiekosten, Instandhaltung, Werkzeugkosten, kalkulatorische Zinsen. Alles, was mit dem Betrieb dieser Maschine zusammenhängt, hat Auswirkungen auf die Kostenstruktur und die Effizienz.

Diese Zahl ist die Grundlage für jede saubere Maschinenstundensatzrechnung, für verlässliche Angebote, für eine ehrliche Preiskalkulation. Ohne diese Kostenrechnung wisst ihr schlicht nicht, was eine Betriebsstunde wirklich kostet und wie sich die Kostenstruktur darstellt.

Die Formel für die Berechnung des Maschinenstundensatzes

Die Grundformel ist denkbar einfach:

Maschinenstundensatz = Summe aller maschinenabhängigen Kosten pro Jahr / jährliche Maschinenlaufzeit

Alle fixen und variablen Kosten einer Maschine werden addiert und durch die Maschinenlaufzeit in Stunden geteilt. Das Ergebnis ist der Stundensatz in €/h.

Wichtig ist, dass ihr beide Kostenkategorien vollständig und eigenständig voneinander erfasst:

Fixe Kosten entstehen unabhängig davon, ob die Maschine läuft oder nicht. Dazu gehören die Abschreibung auf Basis des Wiederbeschaffungswertes, kalkulatorische Zinsen auf das gebundene Kapital, Raumkosten für die belegte Hallenfläche sowie geplante Kosten für Wartung und Reparatur.

Variable Kosten hängen von der tatsächlichen Nutzung ab: Energiekosten aus dem Stromverbrauch in kWh multipliziert mit dem Strompreis, Werkzeugkosten und Verbrauchsmaterialien.

Schritt für Schritt: Maschinenstundensatz berechnen an einem Beispiel

Ein konkretes Beispiel macht das greifbarer. Nehmen wir eine CNC-Fräsmaschine mit folgenden Eckdaten:

  • Anschaffungskosten: 300.000 €, Wiederbeschaffungswert: 360.000 €
  • Nutzungsdauer von 10 Jahren, also jährliche Abschreibung: 36.000 €
  • Kalkulatorische Zinsen: 10.500 € jährlich (Zinssatz von 7 % auf den durchschnittlichen Restwert), die in die Kosten- und Leistungsrechnung einfließen.
  • Raumkosten: 80 m² x 7 €/m² x 12 Monate = 6.720 € pro Jahr
  • Instandhaltung: 9.000 € jährlich
  • Werkzeugkosten: 7.500 € pro Jahr
  • Energieverbrauch: 40 kW Anschlussleistung, 55 % Auslastung, Stromkosten 0,28 €/kWh = 6,16 € pro Stunde Laufzeit, was die Kostenstruktur beeinflusst.
  • Jährliche Maschinenlaufzeit: 2.000 Stunden pro Jahr (Einschichtbetrieb, 250 Tage), was die Kosten pro Stunde beeinflusst.

Fixe Kosten pro Jahr: 36.000 + 10.500 + 6.720 + 9.000 = 62.220 € Variable Kosten jährlich: (6,16 €/h x 2.000 h) + 7.500 € = 19.820 € Gesamte maschinenabhängige Kosten: 82.040 €

Maschinenstundensatz: 82.040 € / 2.000 h = 41,02 €/h

Das ist die Zahl, mit der ihr in die Kalkulation geht. Fertigungsgemeinkosten und Fertigungslöhne kommen je nach Kalkulationsansatz noch obendrauf.

Worauf ihr bei der Kalkulation des Maschinenstundensatzes achten solltet

Reale Laufzeit ansetzen, nicht die theoretische. Rüstzeiten, Wartungsfenster und ungeplante Stillstände zählen nicht zur produktiven Maschinenlaufzeit. Wer 2.000 Stunden ansetzt, aber die Maschine faktisch nur 1.600 Stunden läuft, verteilt die Fixkosten auf zu viele Betriebsstunden und rechnet sich ärmer, als er ist, was die Kosten pro Stunde erhöht. Umgekehrt gilt: zu wenige Stunden angesetzt, Stundensatz zu hoch, Angebote nicht wettbewerbsfähig.

Wiederbeschaffungswert statt Anschaffungskosten für die Abschreibung nutzen. Die Maschine kostet in zehn Jahren mehr als heute, was die langfristigen Fertigungskosten erhöht. Wer nur die ursprünglichen Anschaffungskosten abschreibt, hat am Ende der Nutzungsdauer zu wenig Kapital für die Ersatzinvestition angespart.

Kalkulatorische Zinsen nicht vergessen. Das Kapital, das in der Maschine steckt, ist gebunden. Ob ihr es mit Kredit finanziert habt oder aus der Kasse gezahlt habt, spielt betriebswirtschaftlich keine Rolle. Die Kapitalbindung hat immer einen Preis, und dieser gehört in den Maschinenstundensatz.

Auslastung realistisch schätzen. Eine Maschine läuft selten auf 100 % ihrer maximalen Anschlussleistung. Für den Energieverbrauch gilt: die durchschnittliche Ausnutzung der Anschlussleistung nehmen, nicht den Nennwert.

Excel oder Kalkulationssoftware?

Viele Betriebe machen die Maschinenstundensatzrechnung klassisch in Excel. Eine Tabelle, ein paar Formeln, fertig, um die Kosten- und Leistungsrechnung zu erstellen. Das funktioniert für eine Handvoll Maschinen, wird aber schnell unübersichtlich, sobald sich Stundensätze jährlich anpassen, Stromkosten steigen oder neue Maschinen dazukommen.

Wer regelmäßig Angebote erstellt und mehrere Maschinen hat, kommt mit Excel irgendwann an Grenzen, spätestens wenn Änderungen an einem Wert durch zehn Dateien gepflegt werden müssen. Eine Kalkulationssoftware, die Maschinenstundensätze direkt in die Angebotskalkulation integriert, spart hier erheblich Zeit und reduziert Fehler. Stundensätze einmal hinterlegen, automatisch verrechnen lassen, Angebote in Minuten statt Stunden erstellen.

Maschinenstundensatzrechnung richtig einsetzen: Was kommt noch dazu?

Der Maschinenstundensatz deckt die reinen Maschinenkosten ab, die Teil der Kosten- und Leistungsrechnung sind. In der Vollkostenrechnung und der Zuschlagskalkulation kommen je nach Methode noch weitere Positionen dazu: Fertigungslöhne für das Bedienpersonal, Fertigungsgemeinkosten für den Betrieb, Herstellkosten für Material und Materialverarbeitung.

Der Maschinenstundensatz allein macht noch keine vollständige Preiskalkulation aus. Aber ohne ihn stochert ihr im Dunkeln, und das merkt ihr spätestens am Jahresende in der Kostenträgerstückrechnung oder wenn ein Auftrag, den ihr euch schön gerechnet habt, am Ende ein Minusgeschäft war.

Wer seine Kosten exakt kennt, kann Angebote erstellen, die weder zu teuer noch zu günstig sind. Das ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage dafür, dauerhaft profitabel zu fertigen und die Fertigungskosten im Blick zu behalten.

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