Preise kalkulieren: Herstellkosten berechnen
2. September 2025
Allgemein
Wer ein Produkt verkauft, muss wissen, was es tatsächlich gekostet hat, es herzustellen. Genau das sind die Herstellkosten und sie sind die Basis für jede solide Preiskalkulation. Wer hier ungenau rechnet, verkauft am Ende vielleicht unter Wert, ohne es zu merken.
Wie sich Herstellkosten zusammensetzen
Die Herstellkosten umfassen alle Kosten, die direkt und indirekt bei der Herstellung eines Produkts anfallen. Dazu zählen Materialeinzelkosten, Materialgemeinkosten, Fertigungseinzelkosten, Fertigungsgemeinkosten und Sondereinzelkosten der Fertigung. Nicht enthalten sind Vertriebskosten und Verwaltungskosten, diese gehören zu den Selbstkosten, nicht zu den Herstellkosten.
Rechtlich geregelt ist das in § 255 HGB. Dort wird unterschieden zwischen Pflichtbestandteilen, die in jedem Fall in die Herstellungskosten einfließen müssen, und Wahlrechten, die ein Unternehmen ansetzen kann, aber nicht muss. Das betrifft zum Beispiel bestimmte Verwaltungsgemeinkosten, die wahlweise aktiviert werden dürfen.
Formel zur Berechnung der Herstellkosten
Die Berechnung der Herstellkosten folgt einem festen Schema, das in der Kostenrechnung definiert ist.
Herstellkosten = Materialeinzelkosten + Materialgemeinkosten + Fertigungseinzelkosten + Fertigungsgemeinkosten + Sondereinzelkosten der Fertigung
Jede dieser Positionen lässt sich einzeln ermitteln. Wichtig ist: Diese Formel gilt für die Herstellkosten der Erzeugung, also für die Kosten, die bei der Produktion entstehen, unabhängig davon, ob das Produkt schon verkauft wurde oder noch im Lager liegt. Davon abzugrenzen sind die Herstellkosten des Umsatzes.
Herstellkosten berechnen für einzelne Produkte
Für ein konkretes Produkt rechnet man die einzelnen Kostenarten zusammen. Ein Beispiel: Ein Maschinenbauteil benötigt Rohmaterial für 45 €, Fertigungslöhne von 30 € und läuft 1,5 Stunden auf einer Maschine mit einem Stundensatz von 40 €. Die Materialgemeinkosten betragen 10 % auf den Materialeinsatz, die Fertigungsgemeinkosten 60 % auf die Fertigungseinzelkosten.
- Materialeinzelkosten: 45 €
- Materialgemeinkosten: 4,50 €
- Fertigungseinzelkosten: 30 € + 60 € (Maschinenzeit) = 90 €
- Fertigungsgemeinkosten: 54 €
Herstellkosten: 45 + 4,50 + 90 + 54 = 193,50 €
Materialeinzelkosten ermitteln
Materialeinzelkosten sind die Kosten für das Material, das direkt einem einzelnen Produkt zugeordnet werden kann, also Rohmaterial, Kaufteile oder Spezialwerkzeuge, die für genau dieses Erzeugnis verwendet werden. Sie ergeben sich aus dem Materialverbrauch multipliziert mit dem Einkaufspreis. Anschaffungskosten für Vermögensgegenstände, die in das Produkt einfließen, gehören ebenfalls hierher.
Fertigungseinzelkosten ermitteln
Fertigungseinzelkosten sind die Kosten, die direkt einem Produkt zugerechnet werden können, vor allem Arbeitskosten der Mitarbeiter, die unmittelbar an der Fertigung beteiligt sind, sowie der Maschinenstundensatz multipliziert mit der Bearbeitungszeit. Diese Kosten lassen sich sauber pro Stück berechnen, weil sie unmittelbar mit dem Produktionsprozess des einzelnen Erzeugnisses verknüpft sind.
Materialgemeinkosten ermitteln
Materialgemeinkosten entstehen im Zusammenhang mit der Beschaffung, Lagerung und Verwaltung von Material, lassen sich aber nicht einem einzelnen Produkt direkt zuordnen. Dazu zählen zum Beispiel Kosten für die Lagerhaltung, das Einkaufswesen oder die Qualitätsprüfung von Rohmaterial.
Um die Materialgemeinkosten einem Produkt zuzurechnen, nutzt man einen Zuschlagssatz: die gesamten Materialgemeinkosten eines Zeitraums geteilt durch die gesamten Materialeinzelkosten desselben Zeitraums, multipliziert mit 100.
Beispiel: Materialgemeinkosten von 80.000 € geteilt durch Materialeinzelkosten von 800.000 € ergibt einen Zuschlagssatz von 10 %, der in der Kostenrechnung verwendet wird. Dieser Prozentsatz wird dann auf die Materialeinzelkosten jedes einzelnen Produkts angewendet.
Fertigungsgemeinkosten ermitteln
Fertigungsgemeinkosten sind Kosten, die in der Fertigung anfallen, sich aber nicht direkt einem Produkt zuordnen lassen. Dazu gehören anteilige Abschreibungen auf Maschinen, die nicht über den Maschinenstundensatz erfasst sind, Energiekosten der Fertigungshalle, Instandhaltung und kalkulatorische Kosten wie Zinsen auf gebundenes Kapital.
Kosten nicht doppelt berechnen
Ein häufiger Fehler bei der Ermittlung der Herstellkosten: Kosten werden doppelt erfasst, etwa wenn der Maschinenstundensatz bereits Energiekosten enthält und diese zusätzlich noch einmal in den Fertigungsgemeinkosten auftauchen. Vor der Berechnung sollte klar definiert sein, welche Kostenart in welchem Kalkulationsblock erfasst wird, damit am Ende keine verzerrten Herstellkosten pro Stück entstehen und die Kostenrechnung korrekt bleibt.
Zuschlagssatz für Fertigungsgemeinkosten
Auch für die Fertigungsgemeinkosten wird üblicherweise mit einem Zuschlagssatz gearbeitet, analog zur Materialgemeinkosten-Berechnung: Fertigungsgemeinkosten geteilt durch Fertigungseinzelkosten, multipliziert mit 100. Diese Methode ist Teil der klassischen Zuschlagskalkulation, wie sie im internen Rechnungswesen vieler Fertigungsbetriebe üblich ist.
Herstellkosten der Erzeugung und Herstellkosten des Umsatzes unterscheiden
Die Herstellkosten der Erzeugung beziehen sich auf das, was in einem Zeitraum produziert wurde, unabhängig vom Verkaufspreis. Die Herstellkosten des Umsatzes hingegen beziehen sich nur auf die tatsächlich verkauften Produkte. Wenn ein Teil der Produktion auf Lager liegt, weichen beide Werte voneinander ab. Für die Handelsbilanz und die Steuerbilanz ist diese Unterscheidung relevant, weil sie beeinflusst, wie Lagerbestände bewertet werden.
Sonderfall: Herstellungskosten berechnen bei Kuppelproduktion
Hier entstehen aus einem Produktionsprozess mehrere Produkte gleichzeitig, etwa in der chemischen Industrie oder bei Zerspanungsverfahren mit Nebenprodukten. Die Herstellkosten lassen sich dann nicht eindeutig einem einzelnen Erzeugnis zuordnen, weil die Kosten gemeinsam für alle entstehenden Produkte anfallen. Man behilft sich meist mit Verteilungsschlüsseln, etwa nach Marktwert der einzelnen Produkte oder nach physikalischen Maßgrößen wie Gewicht oder Volumen. Welcher Schlüssel sinnvoll ist, hängt stark vom Produktionsprozess ab und sollte im Zweifel mit dem Steuerberater im Rahmen der Bilanzierung abgestimmt werden.
Berechnung der herstellungskosten mit Excel
Für die praktische Umsetzung reicht häufig eine Excel-Tabelle. Materialeinzelkosten, Fertigungseinzelkosten und die jeweiligen Zuschlagssätze lassen sich hinterlegen und automatisch verrechnen. Für einzelne Produkte oder kleine Stückzahlen funktioniert das gut. Bei vielen verschiedenen Produkten oder häufig wechselnden Kostensätzen wird Excel allerdings schnell unübersichtlich, und Fehler in einzelnen Zellen bleiben oft unentdeckt, was die Kalkulation erschwert.
Wer die Berechnung der Herstellungskosten nicht jedes Mal neu aufbauen möchte, kann mit standardisierten Vorlagen arbeiten. Eine feste Struktur für Materialkosten und Fertigungskosten, einmal angelegt, lässt sich für jedes neue Produkt wiederverwenden und reduziert das Risiko, eine Kostenposition in der Kalkulation zu vergessen. Eine CNC-Kalkulationssoftware wie Refactum übernimmt diesen Schritt vollständig automatisiert.